Made in Germany vs. Der Dschihad-Kult

Export-Schlager Islamischer Staat

IS in Deutschland: Made in Germany vs. Der Dschihad-Kult. Eine vergleichende Textkriti

Ich bin wahrlich ein kritischer Leser von Der Spiegel. Mit entsprechender Vorsicht und präventiv kritischem Blick nahm ich mir deshalb die Lektüre des Titel-Themas der aktuellen Ausgabe vor. Mit Unrecht. Zu meiner Überraschung zeigten sich die Autoren überraschend analytisch und suchten nach den richtigen Fragen. Was ist die Motivation, sich einer radikalen und menschenverachtenden Bewegung wie dem Islamischen Staat hinzuwenden? Wo liegen die Probleme in der Gesellschaft?

Anders als der Cicero. Wie bereits in der Vergangenheit ist die Beschäftigung mit dem Thema „Salafismus“ in Deutschland auf sprachlicher Ebene viel zu ausladend, viel zu kompliziert, viel zu nichts sagend. Auf inhaltlicher Ebene passiert gleichermaßen wenig. Man hampelt anhand von Stereotypen und den allseits bekannten Signalwörtern von Seite zu Seite. Weder gibt der Artikel eine Perspektive, noch wirkt er auf kommunikativer Ebene, um einen Dialog herzustellen. Journalismus mit pseudo-wissenschaftlichem Anspruch. Weder investigativ, noch Sinn stiftend.

Ein Textbeispiel:

Der Spiegel 

„Der Islam als Lebenssinn, der Koran als Anleitung für ein gelungenes Leben. Die meisten sind Kinder von Türken und Arabern und Tschetschenen. Junge Menschen, groß geworden in Deutschland, denen ihre Eltern beibrachten, auf der Klassenreise kein Schweinefleisch zu essen, aber die nicht erklärt bekamen, warum die Religion dies verbietet. Sie mussten die Gebete auf Arabisch auswendig lernen, doch erfuhren nie von ihren Eltern, was genau man sich von Allah erhoffen dürfte. Fügsam und klein, so erleben diese jungen Muslime ihre Eltern, Menschen ohne Heimat, weder hier in Deutschland noch dort, wo sie einst hergekommen sind. Und nun verbringen sie ihr Leben in einer Zwischenwelt aus türkischen Teestuben, arabischen Fußballvereinen, tschetschenischen Frauenklubs“ (Der Spiegel 47/2014, S.67) 

Cicero:
„Pseudoreligiös legitimierte Konzepte wie das der Fremden, der siegreichen Truppe oder das Konzept vom Leben und Hass für Allah sind, mindestens in den Grundzügen, selbst Neuzugängen der Salafisten-Szene geläufig. Die Ursachen für ihre Radikalisierung ausschließlich in der Ideologie zu suchen, wäre aber naiv. […] Im dschihadistsichen Flügel der Szene, das zeigen Äußerungen im Internet und ein Blick auf ausgewählte Lebensläufe, ist seit einigen Jahren der Wille, im „Abenteuer Dschihad“ Frust abzubauen und Männerfantasien auszuleben, oft wichtiger als die Ansprachen salafistischer Prediger.“  (Cicero 11.2014, S.26)
Fazit:
Der Spiegel – Thumbs Up! Das Autoren-Kontingent, bestehend aus fünf Redakteuren, schafft es, sprachlich wie inhaltlich den richtigen Ton zu treffen. Fast schon ein Novum in der derzeitigen nationalen Medienlandschaft. Bild, Focus, stern oder das hier zu betrachtende Polit-Magazin Cicero sind hier nur einige Beispiele. Rein handwerklich brilliert der Artikel durch den im Text vollzogenem konsequenten plastischen Vergleich zweier prominenter Muslime und Leitfiguren für viele Jugendliche mit Migrationshintergrund. Die Gegenüberstellung des fehlgeleiteten Konvertit Dennis Cuspert, ehemals Deso Dogg, und dem frommen, dennoch gleichermaßen aufgeklärten Kampfsportler Ismail Cetinkaya führt den Leser mühelos durch den Text. Fragen werden in den Raum geworfen, die längst in diesem Kontext hätten gestellt werden müssen. Gleichwohl maßt man sich nicht an, die Antworten zu kennen. Allerdings gibt er eine Perspektive, an welcher Stelle Integration versagt hat und bietet Optionen in der Zukunft damit umzugehen. Weiter so!
Cicero – Das Blatt macht dort weiter, wo es bereits im August dieses Jahres angesetzt hat (siehe Ausgabe 08.2014 „Ist der Islam böse?“ ). Zwar ist das Magazin durch ein hervorragendes und ansprechendes Layout gekennzeichnet, allerdings fehlt es abermals an inhaltlicher Substanz. Und diese sollte ein Leitartikel schon mal aufbringen. Der Text selbst ist träge und wird wahrscheinlich von sich selbst behaupten, einen wissenschaftlichen Ansatz zu vertreten. Dem wird er freilich nicht gerecht. Sprachlich schleppend und zäh quält sich dieser über neun Seiten. Der Autor Ulrich Kraetzer, seines Zeichens Publizist und Politikwissenschaftler, hangelt sich anhand von fünf mehr oder weniger bekannten Anhängern der radikal islamistischen Szene durch seine vage formulierten Aussagen. Mit dabei: natürlich Pierre Vogel und Dennis Cuspert. Anders aber als im Spiegel-Beitrag verliert sich der Leser in einem Gemisch aus durch Klischees vorbelasteten Anschuldigungen und dem Versuch wissenschaftlicher Aussagen, denen es an anthropologischer Expertise fehlt. Alles in allem: Polemischer „Haudrauf“-Journalismus. Sinnfrei. Außer Panikmache nicht viel dahinter. Finger weg!
 Autor: Sami Joost

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