Port Saeed

Gastarbeiter in den Vereinigten Arabischen Emiraten

Port Saeed – Hafen der Hoffnung

An einigen Orten auf dieser Welt fühlt man sich wie auf einer riesigen Spielwiese. Dubai ist ein solcher Ort. Vieles hier wirkt sehr künstlich, vielleicht auch teilweise erzwungen. Anderes scheint einem Konzept, ja einem Plan, zu folgen.

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Malls, Hotels und viele Ausländer

In dieser von riesigen Malls und luxuriösen Hotels geprägten Stadt fällt aber vor allem eines auf: Wenig hier ist arabisch. Es ist eine Stadt, die sich aus ihrer Internationalität speist. Zu sehen ist dies bereits banalerweise an der Einwanderung verschiedener Vogelarten, die sich aus aller Welt in Dubai niedergelassen haben. Aufgrund der zunehmenden und flächendeckenden künstlichen Bewässerung hat sich ein reizvolles Klima in der Stadt entwickelt. Für Tier und Mensch. Investoren werden gelockt mit günstigen Zöllen und gleichermaßen nicht vorhandenen Steuerabgaben. Der emiratische Premierminister und Herrscher Dubai’s – Scheich bin Raschid Al Maktum – ist Vater und Initiator dieser Entwicklung. Seine Vision: Die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) sollen das Wirtschafts- und Handelszentrum der arabischen Halbinsel werden. Auch politisch möchten die Emiratis zu einem unübergehbaren Faktor in der gesamten Region werden. Verstärkt wird dieser Anspruch auch durch die Einflussnahme in vielen arabischen Länder, im Zuge dort stattfindender Revolutionen des sogenannten „Arabischen Frühlings“. Neben anderen Golfländern wie Saudi-Arabien, Kuwait und Katar spielen die Emirate als Gönner von bestimmten sunnitischen Gruppierungen eine Schlüsselrolle.

Wenig Rechte für Gastarbeiter

Vor allem aber sorgt die Königsfamilie für die Zeit nach dem Öl. Der Tourismus- und Dienstleistungssektor wird schon seit einiger Zeit stark gefördert und wächst stetig. Aber auch Bereiche wie beispielsweise die der Schwermetallindustrie sind auf dem Vormarsch. Neben einer wachsenden – Erdgas abhängigen – Aluminiumproduktion sind es unter anderem Düngemittel, Zement, aber auch andere Baustoffe, die zunehmend hergestellt werden. Doch dieser Prozess ist noch lange nicht am Ende. Ein einfacher Ökonom weiß, dass schnelles Wachstum vornehmlich auf günstiger Beschäftigung basieren kann oder einfacher: auf Gastarbeit. Schon die Bundesrepublik bediente sich dieses Instruments und zeichnete es sprachlich eindrucksvoller als „Wirtschaftswunder“ aus. Laut dem Wirtschaftsministerium gab es 2008 in den VAE rund 3.873.000 Arbeitsmigranten. Das sind fast neunzig Prozent der Gesamtbevölkerung. Dies sind zum einen hoch qualifizierte und gut verdienende Arbeitskräfte in leitenden Positionen. Zum anderen – und hauptsächlich – sind es aber Arbeitskräfte strukturschwacher Länder. Denn wer macht sonst die Arbeit, die keiner machen möchte in einem Staat, der vor Prunk und Protz strahlt. Haushaltsmädchen aus Äthiopien und Eritrea, Somalia und aus dem Sudan. Philippinen als Tankstellenwarte und Kellner. Inder, Sri Lanki, Pakistani und Bangladeshi die auf den Baustellen, Raffinerien und Plätzen arbeiten, die nicht unbedingt zu den Sehenswürdigkeiten des Landes gehören. Jede Nationalität hat so ihren eigenen Geltungsbereich. Die meisten von ihnen finden den Weg über dubiose Agenturen ins Land, die sie gegen hohe Gebühren an Arbeitgeber vermitteln. Oft nehmen diese Agenturen den Vermittelten bei der Einreise die Ausweisdokumente ab und behalten sie ein. Damit werfen diese die Gastarbeiter quasi in einen rechtsfreien Raum. Einen Raum, der sie unmündig macht und somit unfähig, ihre Rechte einzufordern.

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MIssbrauch an der Tagesordnung

Sexueller Missbrauch, häusliche Gewalt oder auch die Verweigerung eines oder mehrerer Monatslöhne gehören zum Alltag dieser Menschen. Ein Visum in den Emiraten zu bekommen ist relativ einfach – solange man einen Job hat. Hat man den nicht, drohen Ausweisung und im schlimmsten Fall auch Inhaftierung. In älteren Stadtteilen wie Karama oder Deira leben viele Einwanderer, teilweise mit bis zu acht Personen auf einem Zimmer. Dabei teilen sie sich gelegentlich auch mal eine Dusche und WC mit dem ganzen Flur. Manche von ihnen sind illegal im Land, weil sie entweder gekündigt wurden oder es über Schleuser-Banden geschafft haben. Fast jeder dieser Leute arbeitet trotzdem auf den Gerüsten heranwachsender Wolkenkratzer, in Lagerhallen und Hafenbecken. Am Nordufer des Dubai Creek liegt ein wenig abseits der Bars, Restaurants, Nachtclubs und ausladenden Hotelfoyers ein solches Hafenbecken. Port Saeed.

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Illegale Beschäftigung ist oft gewünscht

Port Saeed ist ein recht überschaubarer Güterhafen, von dem aus alles Mögliche verladen und verschifft wird. Angefangen von Fernsehern und Waschmaschinen, Obst und Früchten, bis hin zu Schiffsmotoren und auseinander geschraubten Autos. Man hört, dass viele über diesen Hafen in die Stadt gebracht werden. Teilweise sollen bei Zollkontrollen auf offener See schon Menschen über Bord geworfen worden sein. Viele der Dockarbeiter arbeiten offensichtlich ohne gültige Papiere, geschweige denn eine Kranken- oder Unfallversicherung. Ein gebrochener Finger, ein Bandscheiben-Vorfall? Selbstversorgung. Oder natürlich die sofortige Ausweisung, sollte man auf die Idee kommen in ein Krankenhaus zu gehen. Orte wie Port Saeed gibt es viele in den Emiraten und den anderen Golfländern. Wenn überhaupt finden Kontrollen nur stichprobenartig und oft auch angekündigt statt. Warum? Nun, weil für einen Staat, der sowieso keine Steuereinnahmen auf das Einkommen erhebt, billigere Arbeitskräfte auch bessere Arbeitskräfte sind. Illegale Beschäftigung wird mehr oder weniger wohlwollend geduldet.

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In Dubai hat vieles einen Plan. Nur welchen hat es hinsichtlich einer zukünftigen und nachhaltigen Sozialpolitik? Wie sich ein arabisches Königshaus gegenüber einer Mehrheit verhalten kann, das gegen dieses aufbegehrt, hat Bahrain jüngst auf brutale Weise verdeutlich. Die Vereinigten Arabischen Emirate stehen in Zukunft vor einer großen Verantwortung mit der hohen Zahl an Arbeitsmigranten auf sozialer und moralischer Ebene fertig zu werden. Die Lebens- und Arbeitsbedingungen sind für diese oft widrig bis prekär.

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Die Emiratis sollten rechtzeitig aus den Fehlern anderer lernen und Maßnahmen treffen, die nicht nur wirtschaftsstrategisch und machtpolitisch, sondern vorzugsweise menschlich sind.

Sonst verliert das Konzept der Scheichs schneller seine Basis als ihnen lieb sein könnte.

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